Bläst den Ratingagenturen bald frischer Wind entgegen

Sogar Angela M. aus D. hat mittlerweile gemerkt, dass es ein Problem mit Rating-Agenturen gibt. Leider gewinne ich den Eindruck, sie erkenne zwar ein Problem, doch leidet sie am gleichen Aktionismus wie die Agenturen, die sich gegenseitig mit Herabstufungen überbieten wollen.

Die letzte (noch immer aktuelle) Bankenkrise hat zu Tage treten lassen, dass die Rating-Agenturen ihren Job nicht richtig erfüllen. Ihre Aufgabe ist, gesamtwirtschaftlich gesehen, Qualität und Verlässlichkeit in den Wertpapierhandel zu bringen und ihn damit sicherer zu machen.

Warnschuss vor den Bug oder entsteht wirklich eine EU-Rating-Agentur? (Bild aus Economist)

Versagt auf ganzer Linie

Nur haben sich offensichtlich die grossen Drei (Standard & Poor’s – Moody’s und Fitch) vor der letzten Krise auf die Seite der Mitspieler ziehen lassen, anstatt den Schiedrichter zu geben. Wenn Rating-Agenturen auf Luftschlösser, die in andere Luftschlösser gepackt sind und auf den Namen „Derivate“ hören, den AAA-Stempel drücken, muss sich auch diese Branche Kritik gefallen lassen.  Man kann zwar nicht erwarten, dass Agenturen eine Krise verhindern, doch sollten sie nicht dazu beitragen.

Schlechtes Timing

Blöderweise ist es ein schlechter Zeitpunkt die Agenturen anzuprangern, denn bei Griechenland und einigen anderen Staaten (Ich nenne keine Namen, denn ich will ja den Markt nicht beunruhigen😉 ) stimmt die Einschätzung, dass sie faktisch zahlungsunfähig sind. Wie es dazu gekommen ist, ist eine andere Frage. Doch auch hier stehen die Agenturen in schlechtem Licht: Wieso haben sie diese Situation, die sich schon lange angekündigt hat, nicht vorher angeprangert, indem sie ihre Noten für die Wertpapiere frühzeitig gesenkt haben?

Jetzt plötzlich…

Zuletzt machte Moody’s am  Beispiel Portugal klar, dass jetzt konservative Einschätzung an der Reihe sind. Gerade bei Portugal ist die Entscheidung schlecht nachzuvollziebar: Es handelt sich vergleichsweise um „kleine“ Summen und das Land sei anscheinend dafür bekannt, Sparprogramme durchziehen zu können. Spanien hingegen, das grössere Probleme hat, ist bis jetzt verschont geblieben. Und das beste daran ist, der Schuldenschnitt wird schon im Voraus als negativ kommentiert, da er vom Markt als teilweiser Zahlungsausfall verstanden werden könnte… Das grenzt an Kaffeesatzleserei.

Neuer Anbieter im Agenturen-Markt

Vielleicht ist es ja ein Problem, dass diese gewinnorientieren Unternehmen nur wenig mit Unabhänigkeit glänzen. Diese Kritik wird auch kaum bestritten. Die Replik auf diesen Vorwurf ist aber: Wer sollte es denn besser machen? Naja, ich weiss nicht, ob es eine von der EU-gesponserte Rating-Agentur besser machen würde – doch immerhin nicht schlechter. Mir wäre die Abhängikeit der neuen Agentur von einer EU-Bürokratie einfach sympathischer, als die Abhängikeit der bisherigen grossen Drei von ihren Kunden.

Und jetzt?

Unabhängig davon, ob eine europäische Agentur die Sache besser machen wird oder nicht (wenn sie denn kommt): Wer an den freien Markt glaubt, muss erfrischende Konkurrenz begrüssen. Es ist auf jeden Fall Zeit, das von der us-amerikanischen Regierung verliehene Oligopol der grossen Drei aufzubrechen. Leider kommt in diese Frage gerade dann Bewegung, wenn den Regierungschefs der EU-Länder bei der Banken-Rettung die Felle davonzuschwimmen scheinen. So bekommt das Ganze einen schlechten Nachgeschmack.

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