Das Pokerspiel mit dem richtig grossen Einsatz

Chicken-Game – das ist es, was gerade in den USA stattfindet. Zwei Autos rasen auf einen Abgrund zu. Derjenige Fahrer, der zuerst aus dem Auto springt, hat verloren. Solche Spielchen kann man machen, solange beide Seiten wissen, dass der andere auch nicht sterben will.

Man findet es in allen Zeitungen, auf CNN läuft der Countdown und selbstverständlich ist das Netz voll von Berichten: Die Regierung und die Parlamente der USA kriegen ihren Finanzhaushalt nicht gebacken. Der Präsident, die Demokraten und die Republikaner können sich nicht darauf einigen die Schuldenobergrenze zu erhöhen.

Thelma & Louise stürzen sich den Abgrund hinab

Wird das Ende dieses Streites auch so filmreif sein wie im Film Thelma & Louise?

Acht Jahre alte Seminararbeit

Irgendwie fühlte ich mich gestern an eine Seminararbeit von der Uni erinnert. Also kramte ich das Ding hervor und warf einen Blick hinein. Darin hatte ich zur Analyse des Kaschmirkonflikts die Spiel- und Eskalationstheorie angewendet. Es war aufschlussreich die Theorien auf die aktuelle Situation in den USA anzuwenden.

Ein Ausflug in die Tiefen der beiden Theorien wäre hier nutzlos, doch hilft es einige massgebende Faktoren in diesem riskanten Spielchen zu erkennen. Und das Spielchen ist komplizierter als man denkt. Zusammenfassend lassen sich vier unscharfe Bereiche identifizieren.

Verschiedene Akteure und Interessen

Es gibt mehr zwei Akteure: Mit im Spiel sind der Präsident, die demokratische Partei, die alten Republikaner und die neuen Republikaner aka. Tea Party. Während der Präsident und die Demokraten einigermassen einheitlich agieren, haben die Republikaner erhebliche Probleme damit. Die Tea Party-Leute, die erst seit kurzem im Parlament sind und dafür gewählt wurden die Regierung in Washington auseinanderzunehmen, liegen sich mit den Alteingesessenen ziemlich in den Haaren. Bis jetzt ist jeder Kompromissvorschlag an der Tea Party gescheitert.

Folgen und Konsequenzen

Bei den Tea-Party-Abgeordneten herrscht, der Geier weiss wieso, keine Einigkeit darüber, dass man auf einen Abgrund zufährt. Dieses Mal könnte man den Finanzexperten Glauben schenken, deren Kragen auch immer enger wird. Auch die Herabstufung im Rating wäre nur konsequent. Während einige diese Folgen negieren, sollen einige nicht überzeugt sein, welche negativen Konsequenzen dies haben würde und tun die Warnungen des Präsidenten und der Finanzbranche als Angstmacherei ab.

Applaus für den Crash

Während Politiker in der Regel wiedergewählt werden wollen, kann das von den Tea-Party-Ideologen nicht mit Sicherheit gesagt werden. Einerseits sehen sie sich als Teil einer Bewegung, die leider in die Politik muss, weil es nicht mehr anders geht. (Irgendwie kommt mir das bekannt vor… Ach ja: Der grosse Christoph sagt das ja immer wieder.) Sie sind also „keine“ Politiker und könnten den Verlust des frisch bezogenen Arbeitsplatzes verschmerzen. Es ist sogar denkbar, die Tea-Party-Anhänger in der Bevölkerung würden es honorieren, wenn ihre Vertreter den Finanzhaushalt und die Wirtschaft in die Wand fahren würden. Sie würden damit Stärke und Entschlossenheit beweisen. Für einen Teil der Tea Party ist der Crash sowieso unvermeidlich und hätte ihn lieber früher als später

Schon jetzt im Wahlkampf

Andererseits hat in den USA der Wahlkampf für die Präsidentenwahlen schon angefangen. Das gilt auch für die alten Republikaner, die die Tea Party zuvor umarmt haben, um die Mehrheit in den Parlamenten zu erreichen und jetzt mit dem Geist leben müssen, den sie riefen.

Ende ist offen

Im Detail ist das keine abschliessende Aufzählung aller wichtigen Komponenten. Über die Psychologie der ganzen Situation und einzelner Leute gäbe es noch Einiges zu sagen. Auf jeden Fall ist es gut, in einer Verhandlung mit grossem Einsatz als zu allem bereit zu erscheinen. Nur in diesem Fall kann man sich nicht sicher sein, dass alle nur so tun, als ob sie verrückt wären.

So kompliziert und gefährlich dieses Chicken Game ist, so spannend wird es zu beobachten, ob noch eine Einigung erreicht wird. Schon in zwei Stunden ist die nächste Pressekonferenz der Republikaner…

P.S. Der kleine Christoph hat den Nachnamen Mörgeli.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s