„Revolutions will be twittered“ – auch in London?

Noch bevor sich der Rauch der brennenden Einkaufsläden und Häuser verzogen hat, sind die Schuldigen gefunden und die Lage durchschaut. „Bestraft sie hart und nehmt ihnen die Handies weg“, lässt sich in einem Satz die Reaktion der Regierenden zusammenfassen. Ist es damit schon getan?

Es ist erst einige Tage her, dass auf den Strassen von London Unruhen und Plünderungen stattfanden. Zum Glück beschränkte sich der Aktionsradius der Randalierer und Kriminellen, so der oftmals verwendete Terminus, nur auf wenige Quartiere. Zwar waren auch andere Städte davon betroffen, doch nicht im gleichen Ausmass wie die Hauptstadt.

Unruhen in Tottenham, Stadtteil von London

Die Unruhen in London führten auch zu Brandstiftung. (Bild: International Business Times)

Zurück zum courant normal – mit allen Mitteln

Nun kehrt langsam der Alltag zurück. Die Polizei hat mit den angeblich 16 000 aufgebotenen Männern die Lage wieder unter Kontrolle gebracht. Mit Law and Order konnte Premier David Cameron die Situation wieder unter den gleichen Deckel drücken, unter dem die Probleme dieser Jugendlichen schon länger zugedeckt sind. Es liegt mir fern diese Taten mit äusseren Umständen zu verteidigen, doch wenn Perspektivlosigkeit in Ägypten oder im Gazastreifen eine Radikalisierung erklärt (nicht entschuldigt), dann muss man sich auch in diesem Fall ein paar Gedanken machen.

Auch die Justiz spielt beim Film Law and Order seine Rolle und verhängt in Schnellverfahren deutliche Strafen. Gemäss FAZ erhielt ein 23-Jähriger, nicht vorbestrafter Jugendlicher für den Diebstahl von Wasserflaschen im Wert von dreieinhalb Pfund die Höchststrafe von sechs Monaten. Für meinen Geschmack ist das heftig. Aber es sei in Ordnung, denn die nicht restliche Bevölkerung  würde das anscheinend erwarten. Das sagt zum Beispiel die Innenministerin: „That’s what the people want to see, tough police, tough arrest policy, tough sentencing.“ Aha – jetzt wird nach vermeintlicher Volksstimmung Recht gesprochen.

Social Media sind manchmal gut und manchmal böse

Eigentlich ist ja ganz einfach: Man nehme den Bürger, degradiere ihn zum Konsumenten und nehme ihm dann die Möglichkeit zu konsumieren weg. Was für ein Resultat dabei herauskommt ist nicht schwer zu erraten. Im Speziellen, wenn da noch hormongesteuerte männliche Jugendliche involviert sind. Einfacher ist es hingegen so zu tun, als ob die Kontrolle von Social Media irgendetwas an der Perspektivlosigkeit dieser Jugendlich ändern würde. Vielleicht wäre ein konsequentes Redeverbot noch effektiver?

In Ägypten waren Social Media die Gehilfen der Revolution. In London sind sie die Helfershelfer der Unruhestifter. Wie herrlich einfach die Welt sein kann. Dabei waren die Jugendlichen scheinbar ziemlich clever. Sie haben Blackberries benutzt. Dessen Nachrichten werden verschlüsselt übermittelt. Aber für diese Situation hätte man sich schon vorher wappnen können. Saudi Arabien hat es vorgemacht. Mit der Drohung die Produkte dieses Herstellers aus dem Land zu werfen hat sich sich das Königshaus Zugang zum Blackberry-System verschaft.

Unter den Teppich kehren

Es scheint mir, das Ganze soll so schnell abgehandelt werden, sodass die Menschen in Grossbritannien erst gar nicht in Versuchung kommen über die Motive nachzudenken. Der Bürger, die Bürgerin soll sich nicht zu sehr mit Zusammenhängen beschäftigen, die sie oder er sowieso nicht beeinflussen kann. Sonst würden sie auf einmal auf die Idee kommen, von den Politikern Lösungen zu verlangen. Und das Unangenehmste daran wäre herauszufinden, dass die Politiker genauso ahnunslos sind wie die restliche Bevölkerung.

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