Zeit der Stimuli ist vorbei

Das Europa Forum in Luzern werde ich nicht so schnell vergessen. Beeindruckend war vor allem eine Person: William White (hier ein Interview zu Staatsinsolvenzen mit der NZZ), Vorsitzender  des OECD Economic and Development Review Commitee, ging als erster Redner an diesem Tag auf den eigentlichen Titel der Veranstaltung ein: Wege aus der Schuldenkrise.

William White, Vorsitzender des OECD Economic and Development Review Commitee Quelle: Europa Forum Luzern

Um diese Frage beantworten zu können, so der ehemalige Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, müsse man zuerst wissen, wie es überhaupt zu diesem Schlammassel (Zit. White) gekommen ist. Er unterschied dabei zwischen zwei Ebenen: Auf einer globalen Ebene befand sich zu viel Geld im Umlauf und so entstand dort wo der Optimismus am grössten war eine Blase. Nicht nur in den USA gab es eine Blase. Während sie dort schon geplatzt ist, stehen noch andere Verwerfungen noch aus. Diese sind aber für das weltweite Finanzsystem nicht so stark von Bedeutung.

Auf einer anderen, konkreten Ebene gab es innovative Menschen, die Finanzderivate entwickelten, die sie selber nicht verstanden. Kombiniert mit dem vielen Geld entwickelten sich Ungleichgewichte: Es wurde zu viel ins Banking und in Immobilien investiert. Ausserdem müsse man davon ausgehen, dass in Südostasien immer noch viele Menschen Sachen kaufen, die sie sich eigentlich nicht leisten könnten.

Im nächsten Teil seiner Analyse machte White den Zuhörenden klar, dass die Zeit der fiskalischen und monetären Stimuli für das Wirtschaftswachstum endgültig vorbei sei. Ausserdem bezeichnete er den Versuch die Wirtschaft zu unterstützen, indem die Steuern gesenkt werden oder durch die Ausweitung der Geldmenge als sehr kurzfristige Strategie der Politik.

Wie nun aber aus dem Schlamassel herauskommen? So wie viel Experten, ist auch White der Meinung, der Weg aus den Schulden heisse Wirtschaftswachstum. Das Wachstumspotenzial aber liege, so White, eindeutig in den Entwicklungsländern. Statt zu versuchen in den entwickelten Staaten zu wachsen, müsse stattdessen das Wachstum in den Entwicklungsländern gefördert werden. Kooperationen würden dann dafür sorgen, dass die ersteren Länder auch etwas davon hätten.

Ganz zum Schluss seines Vortrages präsentierte White seinen Massnahmenplan für die nähere und weitere Zukunft: Ringfencing der systemischen Player, Vermeidung von Trigger-Events bevor das Ringfencing an Glaubwürdigkeit gewonnen hat. Auf einer längeren Zeitachse gilt es stärkere europäische Institutionen zu etablieren und strukturelle Reformen durchzuführen.

Leider ist schon einige Zeit seit der Veranstaltung vergangen, aber ich habe mir vorgenommen in den nächsten Tagen mich nochmals hinzusetzen und darüber nachzudenken, was ich da den ganzen Tag eigentlich gehört habe. Was bleibt den Zuhörern am Schluss? Abgesehen davon kann ich die „Mediathek“ empfehlen. Da gibt es zum Beispiel die Beiträge von Bert Rürup, Martin Alioth und Werner van Gent als Audio-Stream oder einige Webcasts.

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